20. Apr
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Deinem Kiez auf den Zahn gefühlt.

Zu Besuch bei Dr. Michael Bernhardt. Einem Zahnarzt, wie er sein sollte.

35 Jahre. Ein ganzes Arbeitsleben. So lange ist Dr. Michael Bernhardt schon hier. Als Einzelkämpfer hat er angefangen, hat einen Kredit aufgenommen, hat aus einer 3-Zimmer-Wohnung eine Zahnarztpraxis gemacht, hat sich aus dem Nichts eine Existenz aufgebaut. Heute braucht er schon mal knappe zwei Minuten, um von dem einen Ende seiner Praxis über den langen Gang zum anderen zu kommen. Stehenbleiben, reden, lachen, Anweisungen geben. Acht Zimmer ist die Praxis nun groß, vier Zahnärzte mit unterschiedlichen Schwerpunkten und 20 Angestellte arbeiten hier.

„Das hier ist schon mein Baby“, sagt Dr. Bernhardt. Längst ist aus der Praxis ein MVZ geworden, also ein medizinisches Versorgungszentrum. Auch wenn das irgendwie unpersönlich klingt: „Hier hat jeder, der zu uns kommt, seinen Bezugszahnarzt.“ Die Praxis ist nur 10 Gehminuten vom neuen Quartier Charlottenbogen entfernt. Ein Anruf genügt, dann bekommt man einen Termin. Dringende Notfälle können unter Umständen noch am selben Tag drankommen.

„Ich mag den Kiez, unaufgeregt, ehrlich und eine gute Mischung“, sagt Dr. Bernhardt. Ein Kiez, der zu ihm zu passen scheint. Denn auch er hat eine ruhige und besonnene Art, mit der er nervöse und ängstliche Patienten auffängt. Wenn er mit seiner sanften Stimme zahnmedizinische Notwendigkeiten erklärt, dann nicht von oben herab, sondern verständlich. Das ist wichtig: Denn die Menschen vertrauen ihm. Legen sich auf den Behandlungsstuhl. Und was dort folgen kann, ist bekanntermaßen oft kein Spaß, selbst mit Betäubung nicht. Für manche sogar ein extrem anstrengendes und aufreibendes Prozedere.

„Der Mund ist ein Intimbereich und wir versuchen, die Nervosität und die Anspannung mit so viel Professionalität und so viel Wohlbefinden wie möglich auszugleichen“, sagt Dr. Bernhardt. Konkret bedeutet das: Er lobt, wenn die Patienten lange aushalten. Er redet gut zu, wenn es besonders anstrengend ist. „Der Patient ist für mich ein Partner, mit dem ich die Behandlung zusammen gut abschließen möchte.“

Sind Kinder seine Patienten, dürfen sie den Zahnarztstuhl selber nach unten fahren und die verschiedenen Werkzeuge begutachten. Und nach der Behandlung können sie sich ein Spielzeug aus der Spielzeugschublade nehmen. „Da freuen die sich schon drauf. Manche fragen nur deswegen nach, wann sie endlich wieder zu mir dürfen“, sagt er. Im Warteraum steht ein großes Aquarium mit vielen Fischen. Dazu gibt es eine große Spielecke. Manche seiner Patienten-Kinder, über die Jahre groß geworden, bringen nun ihre eigenen Kinder zu ihm. „Ich begleite Generationen“, sagt er.

Nach der Behandlung dürfen sich die kleinen Patienten ein Geschenk aus der Spielzeugschublade nehmen.
Nach der Behandlung dürfen sich die kleinen Patienten ein Geschenk aus der Spielzeugschublade nehmen.

Als er selber noch jünger war, hatte seine Mutter ihm geraten, etwas mit Medizin zu machen. Sein Vater wiederum war für ein Architekturstudium. Er wollte beides: Menschen helfen und handwerklich arbeiten. Also wurde er Zahnarzt. „Ich mag die Auseinandersetzung mit dem Material, ich mag die Suche nach neuen Behandlungsmethoden und Fortschritten“, sagt er. So war er 1989 einer der Ersten in Berlin, der mit Keramikfüllungen arbeitete: Dreidimensional fotografiert und dann per 3-D-Druck an Ort und Stelle hergestellt. „Wir haben außerdem einen großen Prophylaxe-Schwerpunkt, damit es gar nicht erst zur Behandlung kommen muss“, sagt er. Karies sei auch nicht mehr das große Problem. Vielmehr sei Berlin eine Press- und Knirsch-Stadt geworden. Und so gibt es immer etwas Neues, was er behandeln kann. 62 Jahre ist er alt. „Acht Jahre werde ich sicher noch hier sein“, sagt er und verabschiedet sich.

Dr. Michael Bernhardt
Dr. Michael Bernhardt

Kontakt:
Die Zahnarztpraxis 24
Jagowstraße 24, 10555 Berlin
Telefon: 030/39041-70
info@die-zahnarztpraxis24.de
https://www.die-zahnarztpraxis24.de

Mein Name ist Karl, ich bin Journalist in Berlin und schreibe hier Reportagen über deinen neuen Kiez.